Einblicke in die WEF-Berichte 2026: Navigieren in einer Ära der Polykrise und KI-Beschleunigung

Jan 26, 2026 von Peter Monien

Das World Economic Forum (WEF) hat zu Beginn des Jahres 2026 zwei Berichte veröffentlicht: den “Global Risks Report 2026” und den “Global Cybersecurity Outlook 2026”. Beide Dokumente zeichnen das Bild einer Welt, die sich an einem kritischen Wendepunkt befindet. Geopolitische Spannungen, technologische Beschleunigung und wirtschaftliche Unsicherheiten verweben sich zu einer komplexen Risikolandschaft.

Für Unternehmen in der Schweiz und weltweit bedeutet dies, dass Cyber-Sicherheit nicht mehr isoliert als technisches Problem betrachtet werden kann. Sie ist zu einer strategischen Kernkompetenz geworden, um in einem volatilen Umfeld bestehen zu können. Wir haben die insgesamt 166 Seiten der beiden Reports für Sie analysiert und die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.




Quelle: Global Cyber Security Outlook 2026

Geopolitik dominiert die Risikolandschaft

Der “Global Risks Report 2026” identifiziert die geoökonomische Konfrontation als das grösste Risiko für die kommenden zwei Jahre. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Cyber-Sicherheit. Cyber-Operationen werden zunehmend als Werkzeuge der Diplomatie und Einflussnahme eingesetzt.

Für Ihr Unternehmen bedeutet das, dass Bedrohungen nicht mehr nur von finanziell motivierten Kriminellen ausgehen. Staatliche Akteure nutzen Cyber-Angriffe zur Spionage oder zur Störung kritischer Infrastrukturen, wobei 64 Prozent der Organisationen geopolitisch motivierte Cyber-Angriffe mittlerweile in ihre Risikostrategien einbeziehen. Die Fragmentierung der Weltwirtschaft führt zudem dazu, dass Technologie-Ökosysteme auseinanderdriften. Unternehmen sollten daher ihre Abhängigkeiten von bestimmten Anbietern und Ländern genau prüfen.

Technologie-Trends: KI und Cloud als grösste Einflussfaktoren

Die Frage, welche Technologien die Cyber-Sicherheit in den kommenden zwölf Monaten am stärksten beeinflussen werden, beantworten die Experten eindeutig. Mit überwältigenden 94 Prozent stehen KI und maschinelles Lernen (einschliesslich generativer KI und agentischer KI) an der Spitze der wahrgenommenen Einflussfaktoren. Doch auch klassische Infrastruktur-Themen bleiben hochrelevant: 61 Prozent der Befragten sehen Cloud-Technologien aufgrund der wachsenden Abhängigkeit von Cloud-Infrastrukturen als massgeblichen Treiber. Interessant ist zudem der Blick in die Zukunft: Bereits 37 Prozent der Experten messen Quantentechnologien (Computing und Verschlüsselung) eine signifikante Bedeutung für die nahe Zukunft bei. Autonome Systeme (26 Prozent) und dezentrale Technologien wie Blockchain (20 Prozent) stehen ebenfalls auf der Agenda.


Quelle: Global Cyber Security Outlook 2026

Künstliche Intelligenz: Beschleuniger für Angriff und Verteidigung

Ein zentrales Thema in beiden Berichten ist die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI). Laut dem “Global Cybersecurity Outlook” sehen 87 Prozent der Befragten KI-bezogene Schwachstellen als das am schnellsten wachsende Cyber-Risiko im vergangenen Jahr an .

Die Auswirkungen sind zweischneidig:

  • Auf der Angreiferseite: Kriminelle nutzen generative KI, um Phishing-Angriffe zu skalieren und glaubwürdiger zu gestalten. Die Hürden für Cyber-Kriminalität sinken, da KI-Tools auch technisch weniger versierten Tätern ermöglichen, Schadsoftware zu erstellen oder Deepfakes für Betrugskampagnen zu nutzen. 73 Prozent der Befragten gaben an, dass sie oder Personen in ihrem Netzwerk im letzten Jahr von Cyber-Betrug betroffen waren.
  • Auf der Verteidigerseite: Gleichzeitig bietet KI enorme Chancen für die Abwehr. Sie hilft dabei, Anomalien schneller zu erkennen und Routineaufgaben in der Sicherheitsüberwachung zu automatisieren.

Unternehmen sollten Prozesse implementieren, um die Sicherheit von KI-Tools zu bewerten, bevor diese im Unternehmen eingesetzt werden. Derzeit tun dies laut Bericht erst 64 Prozent der Organisationen.

Die Kluft in der Cyber-Resilienz vergrössert sich

Ein besorgniserregender Trend ist die wachsende Ungleichheit in der Cyber-Widerstandsfähigkeit, die sogenannte “Cyber Inequity” . Während grosse Konzerne ihre Abwehrfähigkeiten durch Investitionen in Technologie und Fachpersonal stärken, fallen kleinere Unternehmen sowie Organisationen im öffentlichen Sektor oft zurück.

Dies ist besonders kritisch, da wir in stark vernetzten Lieferketten arbeiten. Ein Sicherheitsvorfall bei einem kleineren Zulieferer kann kaskadenartige Auswirkungen auf grosse Partnerunternehmen haben. Der Bericht zeigt, dass 78 Prozent der hochresilienten Organisationen Schwachstellen in der Lieferkette als ihre grösste Herausforderung ansehen.

Es empfiehlt sich daher nicht nur, die eigene Sicherheit zu stärken, sondern auch die Sicherheitsmaturität der Lieferanten und Partner aktiv zu bewerten und gegebenenfalls Unterstützung zu leisten.

Fachkräftemangel bleibt eine Achillesferse

Trotz technologischer Fortschritte bleibt der Faktor Mensch entscheidend. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bereich Cyber-Sicherheit ist nach wie vor eine der grössten Hürden für eine effektive Resilienz. Besonders in kleineren Organisationen fehlen oft die Ressourcen, um Spezialisten für Bedrohungsanalyse oder Identitätsmanagement einzustellen.

Die Berichte legen nahe, dass Unternehmen verstärkt in die Ausbildung und Umschulung bestehender Mitarbeitender investieren sollten. Zudem kann die Zusammenarbeit mit externen Partnern helfen, fehlende Kompetenzen auszugleichen.

Fazit: Strategische Weitsicht ist gefragt

Die Erkenntnisse des WEF machen deutlich, dass wir uns in einer “Ära des Wettbewerbs” befinden. Cyber-Sicherheit ist die Grundlage für Vertrauen und wirtschaftliche Stabilität. Unternehmen, die Cyber-Resilienz als strategische Priorität behandeln, werden besser positioniert sein, um Schocks zu absorbieren und sich schnell von Vorfällen zu erholen.

Wir empfehlen Ihnen folgende Schritte:

  • Überprüfen Sie Ihre Lieferketten auf digitale Abhängigkeiten.
  • Integrieren Sie KI-Sicherheitsrichtlinien in Ihre Governance-Prozesse.
  • Investieren Sie verstärkt in die Ausbildung und Umschulung bestehender Mitarbeitender und fördern eine Sicherheitskultur, die über die IT-Abteilung hinausgeht.



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Quellen:

  • WEF Global Risk Report https://reports.weforum.org/docs/WEFGlobalRisksReport2026.pdf
  • Global Cyber Security Outlook 2026 https://www.weforum.org/publications/global-cybersecurity-outlook-2026/

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